Wie wichtig sind Erinnerungen bei Trauma?

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Viele Traumatisierte erinnern sich nicht oder nicht genau an das, was passiert ist. Sind Erinnerungen denn nicht wichtig, damit eine Heilung stattfinden kann? 

 

Die Antwort ist: JEIN!

 

Die Erinnerungen sind nicht verschwunden, sondern nur abgespalten. So wie oben in dem Bild das Puzzelteil, welches daneben liegt. Es ist da, aber nicht zugänglich. Und... das ist aus gutem Grund so. Es ist ein Schutzmechanismus. Der eigene Selbsterhaltungstrieb schützt uns vor Überforderung.

 

Dieses Puzzelteil jetzt mit Schwung wieder einzusetzen... würde zur Retraumatisierung führen. Das ist der Grund, warum ich nicht viel von Traumatherapien halte, bei denen die Traumaereignisse erfragt und aus dem tiefen Inneren hervorgezottelt werden.

 

Wie kann dann trotzdem Heilung erfolgen?

 

Indem wir uns das Wunder des Körpers und seine Komplexität zu Nutze machen. Nicht nur das Gehirn hat ein Gedächtnis. Auch die Zellen haben eins. Das erklärt, warum es so viele körperliche Reaktionen bei Traumatisierten gibt. Angefangen von Herzrasen, über Rückenschmerzen, bis hin zu Verkrampfungen und einer insgesamt hohen Muskelanspannung.

 

Diese Symptome stehen meist in direktem Zusammenhang mit dem Trauma. Und sie wurden abgespeichert, als Überlebensmechanismus. Wenn ich z.B. körperliche Gewalt erlebt habe, ist es sehr wahrscheinlich, daß ich in Gefahrensituationen eine geduckte Schutzhaltung einnehme. Ich senke das Gesicht, ich ziehe die Schultern hoch, ich beiße die Zähne zusammen etc.

 

Diese körperlichen Erinnerungen und "Angewohnheiten" sind meiner Erfahrung nach viel wichtiger, als das Erinnern der eigentlichen Situation in allen Einzelheiten.

 

Über Körperarbeit wird das im Körper feststeckende Trauma gelöst.

 

Durch bewußtes Wahrnehmen der Körperempfindungen können diese bearbeitet und aufgelöst werden. Jahrelange Anspannung kann sich z.B. lösen. Durch spezielle Gesprächstechniken und auch Körperübungen kann also direkt daran gearbeitet werden, an diesen Körpererinnerungen. Und das unter dem Schutz für den Patienten, daß die absichtlich abgespaltenen Erinnerungen im Gehirn auch abgespalten bleiben. Zumindest erstmal. Denn oft zeigt sich nach erfolgreicher Bearbeitung der Körpererinnerungen in Form von Empfindungen und Gefühlen, daß sich dann auch die Barriere im Gehirn löst und die Erinnerung dann wiederkommt. Das passiert allerdings erst, wenn es auch aushaltbar ist und nicht mehr überfordert.

 

Dieses ist die sanfteste Methode, ein Trauma zu bearbeiten.

 

Und oft auch deutlich effektiver. Denn der Schutzmechanismus "Abspaltung der Erinnerungen" stellt sich ja nicht zum Spaß ein. Er hat seinen Sinn und sollte sowohl vom Patienten als auch vom Therapeuten ernst genommen werden.


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