Selbstbewußtsein durch Identitätsfindung

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In dem Wort Identität steckt das Wort identisch... sich das zu vergegenwärtigen macht die Bedeutung von Identität schon greifbarer.

 

Der Mensch ist ein soziales Wesen und möchte sich zugehörig fühlen. Und um dieses Gefühl zu finden, suchen wir nach identischen, also gleichen Dingen, die uns bestätigen, daß wir hier richtig sind. Gleiche Denkweisen, gleiche Handlungsweisen, gleiches Aussehen... all das kann uns ein Gefühl von Verbundenheit und Zugehörigkeit geben. Anfangen können wir z.B. in der Familie, in der uns die Geschwister und die Eltern ähnlich sehen. Bei adoptierten Kindern ist oft zu beobachten, daß sie mit zunehmenden Alter den Wunsch verspüren, ihre leiblichen Eltern kennenzulernen. Mit dem Ziel herauszufinden, wo es Ähnlichkeiten gibt und damit die Wurzeln zu finden. Und herauszufinden, warum es nicht möglich oder erlaubt war, zu der doch so natürlichen ersten Peer-Group "Ursprungsfamilie" dazu zu gehören.
Viele fühlen sich in Vereinen wohl, in denen gleiche Kleidung getragen wird. Zum Beispiel in einem Fußballverein. Zur Identität kommt hier die Individualität durch die eigene Rückennummer. In der Blaskapelle tragen vielleicht alle denselben Anzug. Im Kloster tragen alle die gleiche Tracht, beim Ballett alle ein Tutu. Zugehörigkeit und damit "am richtigen Platz sein" wird damit körperlich sichtbar.

In der politisch aktiven Gruppe wird über gemeinsam lösbare Probleme gesprochen, im 4-wöchigen Teammeeting der freiwilligen sozialen Helfer auch, und auch im Mathe-Club.

 

Dieses alles gibt uns ein Gefühl der Geborgenheit. Wir sind richtig, wie wir sind. Wir gehören dazu, sind nicht das schwarze Schaf. Das tut unserer Seele gut. Die Situation ins vorhersehbar und kontrollierbar. Die Nerven sind entspannt.

 

Was aber, wenn wir irgendwann bemerken, daß wir zu der einen oder anderen Gruppe gar nicht mehr gehören wollen? Vielleicht wußten wir das auch schon immer, haben uns aber trotzdem dort eingefunden um unseren Eltern, dem Partner, den Kindern usw. einen Gefallen zu tun. Wenn nun aber dieses Zugehörigkeitsgefühl nicht stimmig ist, wenn unser Inneres sich damit nicht identifizieren möchte... dann sollte Veränderung die logische Konsequenz sein. Nur... Veränderung fällt uns schwer. Die Zukunft ist nicht berechenbar, wir verlieren die Kontrolle. Wer sagt uns, daß es ohne diese Zugehörigkeit zu 100 % besser wird?

 

Niemand, außer wir selber.

 

Wenn Sie ihr Äußeres, Ihr Leben, Ihre Gedanken, Ihre Handlung oder was auch immer, identischer zu dem inneren Gefühl und Wunsch machen wollen, braucht es Mut. Eine (teilweise) neue Identität zu erschaffen kann das Umfeld verwirren. Und es bietet die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen, die uns selber glücklicher machen. Und auch neue Begegnungen und Beziehungen einzugehen, die für uns stimmiger sind. Dieses Risiko bringt also auch ein großes Potenzial mit, das sich auch positiv auf Ihr Umfeld auswirken wird. Denn wenn sie ausgeglichener sind, profitiert auch das Umfeld. Ausgeglichener ... die Balance zwischen innerem Wunsch und äußerem Leben ausgleichen.

 

Um herauszufinden was wir wirklich wollen ist es sehr hilfreich, sich einmal zu fragen, welche Rollen wir in unserem Leben haben. Die Liste könnte z.B. so oder so ähnlich aussehen:

Mutter, Hausfrau, Verkäuferin, Partnerin, Freundin, Lernende, Joggerin, Saunagängerin, Strickerin, Leserin....

 

Wenn Sie alle ihre Rollen gefunden haben, zeichnen sie einen großen Kreis auf ein Blatt Papier. Unterteilen Sie diesen in Tortenstücke und schreiben Sie in jedes Stück eine der aufgeschriebenen Rollen. Die Tortenstücke sollten jeweils die Größe haben, die der Bereich in Ihrem Leben einnimmt. Zeichnen Sie auch ein Tortenstück ein, in das Sie "sonstiges" schreiben.

 

Jetzt bewerten Sie jedes Stück auf Ihre Zufriedenheit über die Rolle hin. Die Skala reicht von 1 - 10, wobei 1 für "kann ich nicht besonders gut" oder "mag ich überhaupt nicht" steht und die 10 für "da bin ich perfekt und das ist genau mein Ding".

 

Schauen Sie sich nun jedes Tortenstück einzeln an. Fangen sie mit der höchsten, also der besten Bewertung an. Schreiben Sie in das Tortenstück, was an diesem Bereich gut ist, was Sie glücklich daran macht und was Sie besonders gut können. (Schreiben Sie NICHT auf, was Ihnen daran nicht gefällt, sondern nur das Positive.) In einigen Tortenstücken werden sich die Begriffe überschneiden oder ähneln, das ist völlig in Ordnung.

 

Wenn Sie damit fertig sind, schauen Sie sich an, was in den Stücken mit den niedrigsten Bewertungen im Gegensatz zu den gut-bewertetend Stücken fehlt. Dann haben Sie einen Anhaltspunkt, was Sie in diesen Bereichen Ihres Lebens vermissen. Jetzt können Sie abwägen, ob es möglich ist, durch kleine Veränderungen die Bewertungen der Tortenstücke zu verbessern. Oder ob vielleicht eine andere Rolle besser zu Ihren inneren Wünschen und Neigungen passen würde. Schreiben Sie diese neue Rolle doch mal in das Feld "sonstiges" und bewerten Sie es genauso wie die vorherigen Stücke. Schreiben Sie rein, was daran gut ist. Wie fühlt sich das an?

 

Ja, zugegeben, es braucht immer noch Mut etwas zu verändern. Und vielleicht fällt es Ihnen leichter, wenn Sie so deutlich auf dem Papier sehen, wo Ihre Wünsche nicht identisch mit dem aktuellen Leben sind.

 

Ich wünsche Ihnen viel Mut und Kraft!

 

 

 


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