Raus aus der Grübelfalle

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Kennen Sie das auch? Die Gedanken drehen sich im Kreis, wie in einer Wiederholungsschleife, und es kommt einfach kein Ergebnis zustande, kein Ende ist in Sicht. Das kann sehr belastend sein, schlafraubend, nervenaufreibend und kräftezehrend. Und leider bleiben diese Gedankenschleifen immer ohne Ergebnis, ohne Erleichterung, ohne Lösung.

 

Immer wieder habe ich versucht, den sogenannten Gedankenstopp einzusetzen, also mit den Gedanken (möglichst laut) zu sprechen und "Stopp" zu sagen, damit sie aufhören. Ehrlich gesagt funktioniert das bei mir selber für ungefähr 3 Sekunden, dann fängt das Hamsterrad wieder von neuem an sich zu drehen. Deswegen habe ich mich auf die Suche nach anderen Möglichkeiten gemacht.

 

Warum grübeln wir überhaupt?

 

Das Gehirn versucht, sich für zukünftige Situationen zu wappnen. Strategien und Handlungsoptionen zu entwickeln, vorbereitet zu sein damit es uns dann nicht trifft wie ein Hammer. Dabei neigen wir dazu, uns den ungünstigsten Ausgang der Situation vorzustellen und uns dadurch selbst handlungsunfähig zu machen. Denn wenn wir es wieder und wieder durchkauen und uns den schlimmstmöglichen Fall vorstellen, nimmt unser Gehirn diesen als einzige Möglichkeit wahr und wenn wir uns besonders "Mühe geben", fühlt es sich sogar so an, als wenn es schon so passiert ist, obwohl wir über die Zukunft nachdenken.

 

Von außen betrachtet sieht das nicht wirklich hilfreich aus und es ist leichter gesagt als getan, aus dieser Schleife herauszukommen.

 

Wie kann man also wirkungsvolle Strategien entwickeln?

 

Zunächst einmal habe ich die Einstellung: Es ist, was ist.

 

Wenn ich Bedenken habe, habe ich Bedenken.

Wenn ich Angst habe, habe ich Angst.

Wenn ich bestimmte Gedanken habe, habe ich bestimmte Gedanken.

Und so weiter...

 

Meine Erfahrung zeigt, daß es keinen Sinn macht sie wegzudrücken.. Das ist so ähnlich, als ob ich eine Luftblase unter Wasser drücke und versuche, sie dort lange zu halten. Irgendwann entwischt sie den Händen und kommt - plopp - wieder an die Wasseroberläche, mit heftigem Schwung und mit all ihrer Kraft.

 

Gut gemeinte Ratschläge des Umfeldes wie "Du brauchst doch keine Angst zu haben." sind ähnlich hilfreich, als ob ich jemandem mit einer schmerzhaften Verletzung sage "Du brauchst doch keine Schmerzen haben.". Es ist, was ist.

 

Was ist also die Alternative? Die Gedanken ernst nehmen, in all ihrer Intensität. Es ist, was ist.

 

Hilfreich dabei ist, sie aufzuschreiben. Das hat zwei Effekte: Zum einen gehen uns die Gedanken dann nicht mehr verloren. Sie sind auf Papier gebracht und wir können sie jederzeit nachlesen, das Gehirn muß sich nicht anstrengen, damit wir sie nicht vergessen.

Zum anderen hat das Schreiben die Wirkung, daß wir uns langsamer mit jedem einzelnen Gedanken auseinandersetzen müssen, denn schreiben geht nicht so schnell wie denken. Am besten ist es deswegen auch, die Gedanken mit der Hand aufzuschreiben und nicht am Computer oder Tablet. Und beim Schreiben achten wir auf unsere Formulierungen, sind präziser und meistens auch nicht ganz so ausführlich, d.h. das Schreckenszenario wird meistens nicht in all seinen Einzelheiten ausgeführt und frißt sich damit auch nicht so sehr im Gehirn fest. Und das Schreiben führt oft dazu, daß sich die Gedanken besser sortieren und einordnen.

 

Eine weitere Möglichkeit ist, die Gedanken wie eine andere Person zu behandeln, mit allem Respekt, mit aller Aufmerksamkeit und aller Gutmütigkeit. Wenn zum Beispiel der Partner große Sorgen hat, setzen wir uns mit ihm hin, reden mit ihm, hören uns an was er dazu denkt und fühlt und versuchen zu unterstützen und Lösungen zu finden. Wenn man das mit den eigenen Gedanken auch so macht, kann sich eine Beruhigung einstellen, das habe ich schon oft bei meinen Klienten erlebt.

Vereinbaren Sie doch mit Ihren Gedanken ein Treffen, nehmen Sie sich Zeit für sie. Setzen Sie sich hin und widmen Sie sich ganz den Gedanken. Machen Sie den Fernseher aus, den Laptop zu und das Handy auf lautlos. Das würden Sie für ihren Partner auch tun. Und wenn alles gesagt ist, stehen Sie auf und machen etwas anderes. Mit einem anderen Menschen sitzen Sie auch nicht tagelang zusammen und diskutieren ohne Unterbrechung, auch wenn es nicht zur abschließenden Lösung gekommen ist.

Verabreden Sie mit den Gedanken, sich wieder zu treffen, zu einem bestimmten Zeitpunkt. So seltsam sich das anhört, so beruhigend ist diese Vorgehensweise in vielen Fällen. Denn man drückt es ja nicht weg, gibt den Gedanken Raum, Zeit und Aufmerksamkeit, nur eben zu bestimmten Zeiten. Ich kann Ihnen empfehlen, es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Wenn es nicht funktioniert, haben Sie nichts verloren. Sie können also bestenfalls etwas gewinnen.

 

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, mit der Grübelei umzugehen. Dieses hier sollen nur erste Anregungen sein, die einfach und schnell umzusetzen sind.

 

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und grübelfreie Zeiten.

 

 

 

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