Warum mach ich das immer wieder?

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Das kennt wohl jeder von uns: In ähnlichen Situationen machen wir immer wieder dieselben Fehler, klatschen uns dann mit der flachen Hand vor die Stirn und denken "Wieso bin ich eigentlich so blöd, ich müßte es doch besser wissen!". Die beruhigende Nachricht ist, wir können nichts dafür:

 

Das Gehirn hat nichts dazu gelernt, auch wenn wir denken, wir hätten dazugelernt

 

Ganz richtig ist diese Aussage nicht, eigentlich müßte es heißen: Der entsprechende Teil des Gehirns hat nichts dazu gelernt. Denn unser Verstand, unser "Denker" ist sehr aufmerksam und speichert alle Informationen. Auch z.B., daß gewisse Verhaltensweisen nicht zielführend sind. Troztdem können wir in manchen Situationen einfach nicht auf dieses Wissen zugreifen. Denn in einem anderen Teil des Gehirns sind anderslautende Informationen gespeichert. Und das kommt so:

 

Unser Gehirn könnte man grob in 3 Funktionsbereiche einteilen.

 

1. Das Stammhirn - hier werden Reflexe gesteuert, also auch, wie man in bedrohlichen Situationen reagiert

2. Das limbische System - hier wird alles, was mit Gefühlen und Beziehungen jeder Art zu tun hat verarbeitet

3. Der Neokortex - das ist unser Verstand, der Denker, der Analytiker

 

Blöd ist, daß diese Teile des Gehirns nicht uneingeschränkt miteinander kommunizieren. So kann es zu verwirrenden oder gegensätzlichen Informationen kommen.  Ein Beispiel zur Erklärung:

 

Als Kind habe ich gelernt, daß ich immer dann Liebe und Aufmerksamkeit von meinen Eltern bekomme, wenn ich mich regelkonform verhalte. Ansonsten wurde ich ignoriert. Das wird im limbischen System gespeichert, quasi dem "Gefühlszentrum".

Wenn ich jetzt z.B. einen Chef habe, der diese Gelernte "bedient", dann verhalte ich mich konform seiner Regeln, um Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen. Das bin ich gewohnt, das führt zum Erfolg. Mein Selbsterhaltungstrieb (gesteuert durch das limbische System) sagt mir, daß das richtig ist.

Gleichzeitig weiß aber wahrscheinlich der Neokortex (der "Denker"), daß es irgendwie nicht richtig sein kann, daß ich permanent und ohne Bezahlung Überstunden mache und das vom Chef als Selbstverständlichkeit angesehen wird.  Und trotzdem macht die Vielzahl der Menschen diese Überstunden ohne sich mit dem Chef auseinander zu setzen, da ansonsten Angst entsteht, keine Anerkennung mehr zu bekommen... und damit am Ende den Job zu verlieren.

 

Wenn es nun gelänge, dem Gefühlszentrum wirklich begreiflich zu machen, daß eine Beziehung auch anders funktionieren kann, nämlich mit angemessener Diskussion und Auseinandersetzung, dann würden wir anders reagieren und handeln.

 

Die gute Nachricht ist: DAS GEHT!

 

Auch das limbische System ist lernfähig und kann neue Handlungsoptionen lernen. Es muß nur direkt angesprochen werden. Es funktioniert nicht, das über den Denker zu probieren. Denn die Gehirnteile kommunizieren nicht miteinander. Und es gibt Techniken, die eben genau mit dem Gefühlszentrum arbeiten, um ihm neue oder zusätzliche Informationen beizubringen.

 

Zugegebenermaßen ist es nicht ganz einfach, das alleine hinzubekommen. Unmöglich ist es allerdings nicht. Wer sich ausprobieren möchte, dem empfehle ich die Bücher von Peter A. Levine. Sie erklären sehr schön (und natürlich noch mal viel ausführlicher) die oben beschriebene Arbeitsteilung des Gehirns und es gibt gleichzeitig viele Übungen in den Büchern, um das Gelernte anzuwenden, auch an sich selbst.

 

 

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