Erinnerungslücken

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Erinnerungslücken treten bei vielen psychisch Erkrankten auf und oftmals quält dieses Phänomen die Betroffenen. Es fühlt sich an wie ein Kontrollverlust und der Drang, alles wissen zu wollen, ist groß. Es fehlt ein Stück. Irgendwie fühlt man sich nicht vollständig, wenn man nicht genau weiß, was passiert ist.

 

Erinnerungslücken sind ein Eigenschutz

 

Es gibt soetwas wie den perfekten Psychologen in jedem von uns. Diese Instanz weiß sehr genau, wo unsere aushaltbaren Grenzen sind und was wir verkraften können. Übersteigen Ereignisse unsere Kapazität werden sie abgespalten. Sie sind dem aktiven Gedächtnis dann nicht zugänglich, und das eben aus gutem Grund. Wir schützen uns selbst vor uns.

 

Das kann in Form von Abspaltung und Abkapslung geschehen. D.h. bestimmte Erinnerungen werden wie in eine Kapsel gepackt oder eingefroren. Wird diese Kapsel irgendwann wieder geöffnet oder die "eingefrorene" Erinnerung wieder aufgetaut, ist sie präsent wie in dem Moment, in dem das Ereignis geschehen ist. Mit allen Sinnen, also mit Gefühl, Körpergefühl, Geruch usw.

 

Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Abspalung sogar soweit gehen, daß ein neues Individuum innerhalb des Körpers entsteht. Hierbei sind die Erfahrungen extrem, wiederholt und sehr früh. Es entsteht eine sogenannte Multiple Persönlichkeit, die die grausamen Erinnerungen auf verschiedenste Personen aufteilt.

 

Das bedeutet aber nicht, daß die Erinnerungen für immer weg sind

 

Wenn der Betroffene stabil genug ist und in gesicherten Verhältnissen lebt, kommen die Erinnerungen oft von selbst ans Licht. So ist es zum Beispiel zu erklären, daß vielen Frauen um die 30 - 35 Jahre plötzlich Erinnerungen von sexualisierter Gewalt kommen. In diesem Alter sind die meisten sehr gefestigt, haben eventuell schon eine eigene Familie, sitzen beruflich fest im Sattel usw. Und dann entscheidet der "innere Psychologe", daß es jetzt verkraftbar wäre, die Erinnerungen herauszulassen und zu verarbeiten.

 

Zugegebenermaßen fühlt es sich für die Betroffenen oft nicht aushaltbar an. Das ist absolut verständlich, denn mit schlimmen Erinnerungen auf einmal konfrontiert zu werden ist in keinem Fall einfach. Hier ist professionelle Hilfe das Mittel der Wahl, um es so schnell und schmerzfrei wie irgend möglich zu verarbeiten.

 

Hier zitiere ich gerne eine Patientin von mir, die nach erfolgreicher Behandlung sagte "Ich habe lauter Erinnerungen. Und das komische ist, keine davon triggert. Es ist, als ob ich ein langweiliges Fotoalbum ansehe. Noch eine Seite und noch eine Seite. Zum einschlafen langweilig." All die schrecklichen Erinnerungen von früher, die so lange vom Gehirn unter Verschluß gehalten wurden, fühlen sich bei ihr auf einmal an wie ein langweiliges Fotoalbum.

 

Und nach Auflösung dieser Erinnerungslücken und Verarbeitung stellt sich zumeist ein Gefühl von "Ganzheit" ein, das sich sehr friedvoll anfühlt.

 

Erinnerunglücken sind also gut für den Moment, in dem sie noch bestehen. Es ist ein Überlebensmechanismus und ein Akt der Liebe sich selbst gegenüber.


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