Einsamkeit - ein Belohnungsreflex?

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Zeitungsberichte und veröffentlichte Statistiken weisen immer wieder darauf hin, daß die Zahl der Singles im Vergleich zu Früher deutlich steigt. Viele Menschen klagen über Einsamkeit, der Freundeskreis wird mit zunehmendem Alter immer kleiner. Sogar kompletter sozialer Rückzug ist nicht selten.

 

Der Grund liegt im Belohnungssystem des Gehirns

 

Es ist so einfach wie erschreckend. Wenn wir Angst vor einer Situation haben, versuchen wir sie zu vermeiden. Gelingt es uns, die Situation zu vermeiden, speichert das Gehirn es als Erfolg ab. Denn wir haben ja vermieden Angst zu haben. Und je öfter wir diese Vermeidungsstrategie anwenden, desto größer wird das Gefühl des Erfolges.

 

Ich bin leidenschaftliche Karussell-Fahrerin. Je wilder, desto lieber. Mit meiner Höhenangst fällt es mir allerdings schwer, z.B. Riesenrad zu fahren. Diese langsamen Drehung in höchster Höhe sind fast unaushaltbar lang für mich. In meiner Jugendzeit war es überhaupt kein Problem jemanden zu finden, der mit mir Achterbahn fährt oder in die "wilde Maus" steigt und sich Kopfüber durchrütteln zu lassen. Mit jedem Jahr wird das allerdings schwieriger, jemanden zu finden der mitfährt. Immer wieder höre ich "Nee, das ist mir zu wild, sowas mach ich nicht mehr." Der Vermeidungs-Belohnungs-Kreislauf ist beim Karussellfahren sehr häufig verbreitet.

 

Und genau dieses Prinzip gilt auch für Feste, Treffen mit Freunden, Vorträge und und und. Hat es diesbezüglich mal eine schlechte Erfahrung gegeben setzt auch hier die Vermeidungs-Maschinerie ein. Das Karussellfahren war selbstverständlich nur ein Beispiel.

 

Wie schafft man es trotzdem?

 

Zugegeben, es gehört Disziplin und Überwindung dazu. Wie erwähnt fahre ich ja nicht gerne Riesenrad. Bittet mich nun aber das Kind einer Freundin inständig und aus vollem Herzen, mit ihm Riesenrad zu fahren... bringe ich es nicht über's Herz nein zu sagen.

 

Mit zitternden Knien stehe ich dann vor dem Riesenrad, mir wird übel vor Angst und ganz schwummerig. Dann nehme ich dieses Gefühl ganz bewußt war. In seiner vollen Größe. In seinem vollen Ausmaß. Und es ist wirklich riesig für mich. Und dann... gehe ich an den Rand des Gefühls, an den Rand des Ausmaßes. Ich stelle es mir wie einen riesigen Platz vor und gehe "einfach" an den Rand. Zum einen bin ich dann nicht mehr im Zentrum des für mich bedrohlichen Gefühls. Zum anderen bin ich am Rand auch nahe am Ausgang, zumindest gefühlt.

 

Und wenn ich dann mit dem Kind aussteige und es mich glücklich anstrahlt, strahle ich doppelt so doll... und auch das merkt sich mein Belohnungssystem.

 

Vielleicht gelingt es auch Ihnen, an den Rand Ihres imaginären Angst-Platzes zu gehen. Einen Versuch wäre es doch wert, oder?
 

 

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