Der Trauma-Kleiderschrank

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Wie erklärt man eigentlich nicht-Traumatisierten den Unterschied zwischen alltäglichen Erinnerungen und Trauma-Erinnerungen? Ich benutze dafür gerne

 

die Geschichte des Trauma-Kleiderschrankes

 

Wer von uns kennt sie nicht, diese eine Schranktür, die man eigentlich nicht aufmachen sollte. Sobald man sie öffnet, purzeln uns die schnell hineingestopften Sachen entgegen. Darin herrscht einfach keine Ordnung. Und wir stopfen alles rein, was "weg muß", damit es oberflächlich ordentlich aussieht.

 

So wie diese Schranktür kann man sich das Trauma-Gedächtnis vorstellen. Es sind unangenehme Dinge. Dinge, die wir nicht ordnen wollen oder können. Wir stopfen sie weg. Klappe zu... Affe tot.

 

Wenn wir andere Schranktüren aufmachen, sehen wir sauber gestapelte T-Shirts und Hosen. Vielleicht sogar gebügelt. Auf jeden Fall aber wurde das Etikett entfernt. Sie wurden gewaschen und ordentlich zusammengelegt. Je nach Saison liegen die Winter- oder Sommersachen weiter hinten oder weiter unten im Stapel. Oder sie werden sogar in den Keller ausgelagert.

 

Das ist vergleichbar mit alltäglichen Erinnerungen.

 

Sie wurden be-/verarbeitet und an den richtigen Platz einsortiert. Bei Bedarf kann man sie rausholen. Durch die Ordnung findet man schnell, was man sucht. Und man muß sich nicht mit vielen anderen Dingen erst auseinandersetzen, bevor man an das kommt, was man jetzt im Moment braucht oder möchte.

 

Mit der Trauma-Schranktür sieht es anders aus. Es gibt im Leben eines Traumatisierten sehr häufig Ereignisse oder Erlebnisse, die an die unbearbeiteten Gedanken, Erinnerungen, Gefühle usw. erinnern. Die wollen wir auch wieder wegpacken. Also: Schrank auf... und schon haben wir das Dilemma, denn es purzeln uns "alte" Sachen entgegen, die wir dann auch hastig wieder reinstopfen.

 

Einfach mal den Schrank aufräumen.

 

Das wird jetzt vielleicht ihr Gedanke sein. Das ist aber für Traumatisierte nicht so leicht. Denn die Sachen sind extrem schwer zu sortieren. Manche haben schon Stockflecken. Andere sind bis zur Unkenntlichkeit zerknittert. Manche muß man mit der Hand waschen, andere in die Reinigung bringen. Manche kann man bügeln, manche muß man mangeln. Und und und. "Mal eben" ist das nicht gemacht.

 

Es braucht Zeit, Geduld und Selbstliebe, um diesen Schrank zu entrümpeln. Und es ist hilfreich, dabei Unterstützung zu haben. Erst wenn die Kleidungsstücke gesäubert, geglättet und gefaltet sind, können sie in den Teil des Schrankes, wo die fertig bearbeiteten Kleidungsstücke liegen.

 

Unterstützen Sie den Traumatisierten dabei, diese Aufräumaktion in seinem eigenen Tempo zu tun. Unterstützen Sie ihn bei der Suche nach Hilfe dafür. Und wertschätzen Sie jedes einzelne Kleidungsstück, das bearbeitet wurde.

 

Damit helfen Sie Ihren Lieben wirklich!

 

 


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